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BIO Lebensmittel

BIO wurde ja in der Schweiz bereits schon zum Unwort des Jahres ernannt, und das ist durchaus begründbar. Nirgends wird prozentual soviel BIO verkauft wie in der Schweiz, also die Schweizer sind weltweit ein wichtiger Absatzmarkt. Deswegen ist diese Bezeichnung hier auch etwas von hoher Bedeutung und es ist wichtig dass der Name nicht seinen Ruf verliert sondern auch wirklich für das steht was man von diesem Namen erwartet oder erwarten darf. Leider wird dieser Namen immer mehr für reines Marketing missbraucht und das Image dieses Namens wird oft auf die Probe gestellt, denn dieser Name ist beim Verkauf Gold wert. Sobald BIO drauf steht steigert sich der Wert in den Augen der meisten Konsumenten. Also sind sie bereit mehr zu bezahlen und das nutzen vorallem die Grossverteiler aus, nicht immer mit ganz astreinen Mitteln.

Was bedeutet BIO (organic) und was bedeutet es nicht?


Um das genauer zu verstehen muss man zuerst mal erwähnen dass BIO ansich keine geschützte Marke ist, man kann theoretisch absolut alles unter diesem Namen verkaufen, denn der Name ansich hat keine feste Richtlinien. Deswegen muss man ein Label haben welches auch durch klare Richtlinien definiert wurde und wo man bestimmte klare Richtlinien befolgen muss, damit es überhaupt eine Aussagekraft haben kann. Einige dieser BIO-Marken sind:


BIO Suisse: (die bekannteste im Schweizer Grosshandel). Wesentlicher Bestandteil ist das es Verboten ist chemische Stoffe und mineralische Düngemittel einzusetzen, ausserdem muss die Haltung Tierschutz-Konform sein. Auch Gentech ist bei diesem Label verboten, und die Ware muss grundsätzlich rückverfolgbar sein (also keine weltweiten Mischeinkäufe mit nahezu unbekannter Herkunft).
EU BIO Siegel: mit Blatt (die bekannteste in der EU) Etwa vergleichbar mit BIO Suisse was die Härte der Richtlinien anbelangt.
Demeter: Diese Marke basiert auf antroposophischen Richtlinien und ist immer BIO, selbst wenn nicht BIO draufsteht. Es ist grundsätzlich die strengste BIO Marke mit den härtesten Richtlinien. Es ist bis dato die einzige BIO Marke die auch das Homogenisieren der Milch verbietet, selbst Kühe ohne Hörner sind verboten, also absolut kompromisslos. Spezialfall: Aldi „Natur aktiv„: Diese Eigenmarke wirtschaftet grundsätzlich nach ähnlichen Richtlinien wie BIO Suisse und EU BIO Siegel, es sind oft Produkte die sogar direkt aus Betrieben stammen die ebenfalls die anderen beiden Marken herstellen, allerdings darf Aldi aus Rechtsgründen das BIO Suisse Label nicht verwenden.

Wieso aber ist BIO oft nicht so gut wie es sein sollte? Die Grundidee ist gut und sinnvoll jedoch aber mangelt es oft an der Umsetzung und die Richtlinien werden oft immer mehr verwaschen.


1. Beispiel: Es mittlerweile sogar Wildpilze BIO zertifiziert nur aus dem Grunde weil sie anscheinend „schonender“ gepflückt werden. Eigentlich sollte diese Tatsache selbsverständlich sein (und vom Staat und Jagdaufsicht mit aller Härte kontrolliert) und nicht ein Label voraussetzen, dennoch nett dass es jetzt auch für diese Begebenheit ein BIO Label gibt. Das Problem ist nur dass alle „Konventionellen“ danach meinen dass sie mit aller Härte die Pilze rausreissen können da sie sich ja nicht an sowas halten müssen und danach haben wir ein dummer Jojo-Effekt und das alles war danach leider für die Katz. Es ist halt ne Richtlinie die man besser als „Standart“ setzen sollte und nicht als ein „Special“.

2. Beispiel: Es werden Produkte zertifiziert die eigentlich immer BIO sind da bisher keine andere Methode verfügbar oder sinnvoll wäre. z.B. Pinienkerne oder Arganöl, beides stammt aus Bäumen die meines Wissens als kaum düngbar gelten (da sie gerne nährstoffarme Böden haben) und grundsätzlich keine chemische Behandlung erfordern. Auch ist die Produktion viel handarbeit das es mit Maschinen kaum möglich ist. Beim Arganbaum existiert hauptsächlich die Problematik der Echtheit des Öls aber dieses Problem muss in allen Fällen kontrolliert werden, egal welches Siegel es hat. Dies verschärft das Problem da man danach meint dass man nur noch bestimmte Marken kontrollieren muss. Aber ob es als BIO überhaupt stärker auf Echtheit kontrolliert wird ist nicht gesagt denn es ist nicht ein akuter Teil der Richtlinien Echtheit einer Ware zu garantieren. Diese Richtlinie müsste explizit aufgeführt sein und davon ist mir nichts bekannt.

3. Beispiel: BIO Milch und BIO Milchprodukte sind nicht genug kompromisslos und leiden an der nötigen Härte (Ausnahme Demeter). Die 2 (+Aldi) anderen BIO Siegel legen lediglich wert darauf dass es gut „gezogen“ oder „gewachsen“ ist, aber was danach bei der Verarbeitung passiert ist denen offenbar egal. Danach wird die „kostbare“ Milch in Magermilch und Rahm aufgetrennt und danach wieder zusammengefügt, was die biologische Beschaffenheit sofort stark entwertet und es wird danach immer noch als „BIO“ angepriesen, klar ein Problem mit der Begriffsdefinition die hier leider nicht kompromisslos genug einer klaren Richtlinie folgt. Gesundheitlich notwendig ist nur das Pasteurisieren (erhitzen auf 70 C) aus Sicherheitsgründen, aber das Homogenisieren dient einzig und alleine der Haltbarkeit und ist qualitativ entwertend. Fairerweise müsste man auch eine echte Pastmilch anbieten für alle Konsumenten die lieber eine nicht haltbare aber gesunde Milch haben wollen, aber es wird nicht getan da man die Bürger offenbar irgendwie bevormunden will. Frei nach dem Motto: Haben sie (kaum) eine andere Wahl akzeptieren sie unsere Konditionen, und das ist schlussendlich zu 99% auch der Fall. Optimal wäre: BIO Bewirtschaftung (leichte Kühe mit Hörner)–>Saanenland–>24h nach Melken verarbeitet–>70 C pasteurisieren–>Verkaufen. Nur wird man sowas nie finden, das ist einfach „zuviel des Guten“.


4. Beispiel: Kombination von vielen guten Aspekten: z.B. würde es noch besser sein wenn Aldi ihre Saanenland Milch noch mit BIO und Frische kombinieren würde, danach wäre sie schon nahe am Optimum wenn noch das Homogenisieren unterlassen wird. Aber man kriegt meist nur wenige Qualitätskriterien die gemäss den BIO Richtlinien sind oder nicht einmal eine BIO Richtlinie sind aber dennoch ein Qualitätskriterium. Der Konsumen kauft dann einfach das Beste aber viele wissen allzugut dass selbst das Beste nicht gut genug ist aber es gibt ja keine andere Option. Man könnte endlos viele Qualiätsfaktoren miteinander kombinieren um am Ende ein Diamant zu erhalten aber sowas möchte ja fast keiner (der produziert), denn es geht schlussendlich wie immer ums Geschäft und das ist der Grund wieso BIO oft an ihrem Image zu leiden hat.


5. Beispiel: Immer populärer werdende BIO-Kosmetik: Hier kann man nur wenigen Marken vertrauen, unter anderem Weleda und Lavera, das Meiste ist Fake weil gar kein richtiges BIO drin ist, es ist kein offiziell anerkanntes und geschütztes Label und man darf unter dem Namen verkaufen was man möchte. Einfacher ist es wenn man einfach eine Aleppo Seife verwendet, dann ist man mehr „BIO“ als man es mit den meisten anderen Kosmetik jemals sein könnte. Für Hautpflege reicht sogar pures Öl, Cremes sind meistens reine Marketinggags und nicht unbedingt notwendig und oft auch problematisch da es fast immer Parfümstoffe enthält welches empfindliche Haut irritieren kann. Parfüm ist nicht gesund, es ist eine reine Liebhaberei. Zum Glück geht der Industrie die zahlungswillige Kundschaft, vorallem Frauen, nicht aus und deswegen verdienen sie damit ja auch Milliarden. Grundsätzlich ist es halt so dass man für etwas selbstverständliches oft einen Mehrpreis verlangen möchte und irgendwo kann es oft in eine versteckte Preiserhöhung ausarten und möglicherweise auch spezielle Margen generieren. Also BIO sollte ja auch das wert sein was man dafür bezahlt und nicht „kaum Mehrwert bieten“.


Eine dritte allgemeine Problematik ist folgende: BIO bedeutet: Keine Kontamination mit Chemikalien und gute Haltungsbedinungen aber BIO bedeutet nicht Bodenqualität, Pflanzenqualität, Tiergesundheit/Tierart. Es wird lediglich von Demeter zum Teil beherzigt, da dort auch dem Boden und der Pflanze oder Tier besonderen Wert bemessen wird, und die Art auch entscheident ist.


Bodenqualität: Diese wird meist nur sporadisch kontrolliert, so nach „sichtweise“, wenn überhaupt. Fakt ist aber dass durchaus wissenschaftliche Methoden existieren um eine Bodenbelastung mit schlechten Stoffen genauer nachzumessen, dies wird aber grundsätzlich nicht getan. Die Folge ist einfach dass viele konventionelle oder unzertifizierte Pflanzen auch gute Qualität haben könnten falls sie ein guter Boden haben. Die allerbesten Sachen werden sowieso „unter der Hand“ verkauft und brauchen keine Werbung. Sie sind oft der BIO Qualität sogar überlegen obwohl sie kein Label haben. Das Beste braucht weder Namen noch Werbung, es wechselt die Hände ganz versteckt und ohne Namen. Oft geben sich die Bauer von Spezialprodukten aus Spezialstandorten nicht mal die Mühe es zu zertifizieren da ihnen sowieso alles aus der Hand gerissen wird, von dem wenigen dass sie davon haben. Grundsätzlich gilt: Korn oder Tiere die auf schlechterem Boden (vorallem Flachland) wachsen und grasen kommen leider nicht an die Qualität von Hochlandkorn oder Tiere ran… egal ob BIO oder nicht. Viel Ertrag verträgt sich schlecht mit hoher Qualität.


Pflanzenqualität: Um eine gute BIO Pflanze zu haben werden oft irgendwelche Kreuzungen oder dergleichen verwendet z.B. ein „Dinkel-Hybrid“ der eine schlechtere Kornqualität hat als ein echter Dinkel, dafür aber ein höherer Ertrag. Solche Sachen gibt es oft, es ist eben meistens nicht kompromisslos genug um die volle Qualität herauszukristallisieren. Deswegen hat BIO fast nie das volle Potential und ist oft nur unwesentlich „gesünder“. Man möchte meistens BIO produzieren ohne aber auf mehr Ertrag zu verzichten, denn der Konsument achtet ja meistens sowieso nicht drauf.


Tiergesundheit/Tierart: Meistens werden ganz normale und stark hochgezüchtete Tierarten verwendet wie das handelsübliche rosarote Hausschwein welches auf maximale Mastleistung hingezüchtet wurde, ähnliches existiert auch mit vielen Kuharten die immer schwerer werden (damits mehr Milch gibt) und oft an Gelenkproblemen leiden. Dies ist leider auch bei BIO-Tieren nicht anders und sie leiden in der Hinsicht an derselben Problematik. Kompromisslos wäre wenn man extra dafür sehr leichte Kühe verwendet die zudem noch den Boden schonen, und wenn man anstatt ein Hausschwein ein Wollschwein verwendet. Beides mit weniger Ertrag aber mit mehr Qualität und höherem Tierwohl. Man könnte auch Büffel einsetzen und dergleichen, die Qualität würde sofort raufgehen, wird aber nur sehr selten getan. Ausserdem ist die unklare Haltung gegenüber „hornlosen“ Kühen auch negativ, da auch viele BIO Kühe enthornt werden. Einzig Demeter vertritt hier eine klare Linie. Lustig ist auch dass grundsätzlich nur Bauern mit Kühen Subventionen erhalten. Sollten sie also eine Herde Schafe oder Ziegen haben dann werden sie förmlich verarmen, denn auch diese Bauern haben mit dem Problem der zu tiefen Ankaufspreise und steigenden Produktionskosten zu kämpfen. Aus diesem Grund hat es zum einen nur wenige dieser Bauernguppe und meistens haben sie nur um Subventionen zu erhalten noch einige Kühe obwohl sie gar keine wollen. Also man sieht wie wir „Nachfrage“ generieren, ob sowas astrein ist das muss halt der Stimmbürger entscheiden, sofern er eine Stimme hat.

Ganz klar erwähnen  muss man auch dass vorallem in der Schweiz Produkte aus Bergebiet separat verkauft werden unter einem eigenen Label, aber deswegen sind sie nicht BIO. Und BIO wird meistens als solches verkauft aber ohne dass es aus Berggebiet stammen würde. Wir haben also bereits wieder eine Abtrennung in verschiedene Qualitätsbereiche und das ist bewusst so gewollt weil man damit mehr Produkte zur Verfügung hat mit denen man Geld verdienen könnte. Klar, das beste ist wenn man  BIO + Berggebiet kombinieren würde aber das ist eine echte Rarität.

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